QUEER-STREIFEN 2017

Do 02. bis Mi 08. November 2017 ➜ filmgalerie im Leeren Beutel

➜ ERÖFFNUNG: Kurzfilm/Begrüßung
➜ KISS ME (Embrasse-Moi!) am Do 02.11. ab 20 Uhr

➜ HANDSOME DEVIL am Fr 03.11. um 19 Uhr
➜ CHAVELA am Fr 03.11. um 21 Uhr

➜ MARIKAS MISSIO am Sa 04.11. um 17 Uhr
➜ SIGNATURE MOVE am Sa 04.11. um 19 Uhr
➜ QUEEN OF IRELAND am Sa 04.11. um 21 Uhr

➜ HOMØE Auf der Suche nach Geborgenheit am So 05.11. um 15 Uhr
➜ OUT OF IRAQ am So 05.11. um 17 Uhr
➜ A MOMENT IN THE REEDS am So 05.11. um 19 Uhr
➜ CLOSE-KNIT (Karera ga honki de amu toki wa) am So 05.11. um 21 Uhr

➜ SCHWULE KURZFILME am Mo 06.11. um 19 Uhr
➜ A DATE FOR MAD MARY am Mo 06.11. um 21 Uhr

➜ LESBISCHE KURZFILME am Di 07.11. um 19 Uhr
➜ THE YEAR I LOST MY MIND am Di 07.11. um 21 Uhr

➜ QUEERE KURZFILME am Mi 08.11. um 20 Uhr

Es ist eigentlich immer noch kaum zu glauben, was in diesem Jahr, fast schon nebenbei, im Deutschen Bundestag beschlossen wurde. Endlich dürfen ALLE heiraten wen sie wolle! Und weil man bei der Geschwindigkeit, mit der ein seit Jahrzehnten von vielen engagierten und auch mutigen Menschen erkämpftes Ziel nun quasi über Nacht erreicht wurde, gar nicht richtig in Feierlaune kam, wbieten wir dazu bei unserem Festival die Gelegenheit dies nachzuholen. Aber haben wir es jetzt geschafft? Braucht es die QUEER-STREIFEN und das vielfältige Engagement anderer Aktivist_innen für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung nun nicht mehr? Wohl kaum. Was geschieht, wenn gesetzliche und gesellschaftliche Realität nicht in gleichem Maße im Auge behalten werden, hat man vor Jahren in Frankreich gesehen, wo erschreckend viele Menschen im ganzen Land gegen die Ehe für alle auf die Straße gingen.

Deshalb bieten die QUEER-STREIFEN auch in diesem Jahr ein buntes Programm mit heiteren und ernsten Momenten, das das LGBTI-Publikum ebenso ansprechen soll wie alle anderen. Es ist wunderbar, dass die QUEER-STREIFEN mit diesem Ansatz nicht alleine sind in Regensburg. Es gab in der Stadt bisher wohl kaum ein Jahr mit einem so großen Angebot an queeren Filmen in den regulären Kinoprogrammen. Und zu diesen Filmen ist sogar einer der diesjährigen Oscar-Preisträger zu zählen. Das macht es uns zwar nicht leichter, ein Programm mit neuen und vielleicht noch unbekannten Filmen zu erstellen. Wir glauben, es ist uns aber den- noch wieder gelungen. Und so füllt sich die Filmgalerie im Leeren Beutel auch in diesem Jahr mit allen Farben des Regenbogens und lädt alle ein zu interessanten Dokumentationen, tollen Spielfilmen sowie abwechslungsreichen Kurzfilmprogrammen mit Gästen und Gesprächen.

Dass wir nun schon seit Jahren fest mit der Unterstützung von oberster stadtpolitischer Ebene rechnen können, freut uns sehr und bestärkt uns in unserem Ansatz, neben dem gesetzlich Erreichten auch gesellschaftlich mehr Akzeptanz und Verständnis zu fördern. Deshalb danken wir Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sehr dafür, dass sie in diesem Jahr die Schirmherrschaft über unser Festival übernommen hat.

Wir freuen uns auf Euch und auf eine Woche voller bunter Augen- blicke.

Euer QUEER-STREIFEN-Team

ERÖFFNUNG / KISS ME

Kurzfilm und Begrüßung

Bevor unser Festival mit dem Film KISS ME so richtig losgeht, werden wir unser Publikum wie immer in aller Kürze willkommen heißen und die Neugierde auf die kommende Woche wecken. Dafür haben wir einen Kurzfilm ausgepackt, der bereits vor Jahren in unserem Programm lief und auch sehr gut ankam: DAS PHALLOMETER von Tor Iben. Der Film ist prominent besetzt und behandelt einen wahren Sachverhalt zur Überprüfung von Geflüchteten in der Tschechischen Republik, wenn als Fluchtgrund Homosexualität angegeben wurde. Dies geschieht hier auf vergnügliche Weise. Das Thema Flucht und Verfolgung findet sich aber auch in anderen Bearbeitungen im Programm der 6. QUEER-STREIFEN. Dem Regisseur Tor Iben werden wir im Laufe der Woche ebenfalls nochmal begegnen. Er zeigt seinen neuen Spielfilm THE YEAR I LOST MY MIND und wird als Jury-Mitglied mitwirken.

Wer möchte, kann natürlich auch ein paar Minuten früher kommen und mit einem Begrüßungsgetränk mit uns anstoßen. Wir werden die Filmgalerie wieder gemütlich für Euch herrichten.

Im Anschluss:

KISS ME – EMBRASSE-MOI!

Frankreich 2017 / 90 Minuten / Regie: Océanerosemarie und Cyprien Vial / Französisches Original mit deutschen Untertiteln

Bei den ersten QUEER-STREIFEN 2012 zeigten wir KYSS MIG - die schwedische Lesben-Romanze. Jetzt kommt mit EMBRASSE-MOI! - die französische Lesben-Komödie! Obendrein romantisch, Taschentuchfaktor tausend. Doch der Reihe nach: Océane ist Physiotherapeutin und kann gut massieren. Laut keifend rennt ihr die Freundin davon. Noch eine Ex, c’est la vie. Kurz darauf trifft sie unvermittelt auf Cécile, die von ihr aus einer akuten Notlage befreit wird. Schnell ist es um Océane geschehen. Doch Cécile wirkt unterkühlt und distanziert. Océane muss alles daran setzen, sie zu erobern. Diesmal ist es die Richtige, die Frau fürs Leben! Ihre überbordende Kreativität hilft dem Schicksal auf die Sprünge und das ungleiche Paar findet zueinander. Das Glück scheint perfekt. Auf ihrer Geburtstagsfeier wird Océane jedoch von ihrer frauenreichen Vergangenheit eingeholt. Es kommt zum Eklat, bei dem die sonst so gefasste Cécile gewaltig aus ihrer Haut fährt ... Ist die Beziehung noch zu retten?

Tausendsassa Océanerosemarie ist Hauptdarstellerin und Regisseurin des Films. Die Schöpferin einer One-Woman-Show und eines Comic-Romans arbeitet u.a. für’s Theater, als Kolumnistin sowie als Radiosprecherin und hat schon eine musikalische Karriere hinter sich. Sie hatte genug von Coming-Out-Filmen und findet Lesben in Komödien generell unterrepräsentiert. Ganz anders hier, und es bleibt kein Auge trocken!

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

HANDSOME DEVIL

Irland 2016 - 95 Minuten / Regie: John Butler / Englischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Ned Roche (Fionn O’Shea) kann seinen Vater und seine Stiefmutter nicht davon überzeugen, dass das schicke Internat, das sie für ihn ausgesucht haben, nicht das richtige für ihn ist. Mit Rugby, das dort wie eine Religion gefeiert wird, kann der 16-jährige Einzelgänger, der David Bowie und Ditta Von Teese liebt, nichts anfangen. Als der talentierte Rugbyspieler Conor (Nicholas Galitzine) sein neuer Zimmernachbar wird, befürchtet Ned das Schlimmste. Zwischen diesen beiden gegensätzlichen Jugendlichen entwickelt sich aber eine Freundschaft, die dafür sorgt, dass das Mobbing, dem Ned ausgesetzt ist, aufhört. Der inspirierende Englischlehrer Dan Sherry und der Rugby-Coach Pascal O’Keeffe beeinflussen die Entwicklung dieser Freundschaft und tragen den Konflikt auf anderer Ebene aus.

Die beiden Hauptdarsteller spielen mit einem warmherzigen Charme. Für John Butler, den Regisseur, ist dieser Film persönlich und autobiografisch. Er wollte mit der Homophobie und dem Konformismus in der Gesellschaft und vor allem in Schulen abrechnen. Es war ihm auch wichtig, dass der Film für Zuschauer jeden Alters zugänglich ist, weil man die Gesellschaft nicht früh genug zur Toleranz erziehen kann. „LGBT gehört nicht zu, sondern ist Mainstream“, meint Butler. Die Filmkritik lobt HANDSOME DEVIL als „charming“ und „terrific“ oder nennt ihn gar „the Irish Moonlight“.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
FARBEN ECKERT

CHAVELA

USA 2017 - 90 Minuten / Regie: Catherine Gund und Daresha Ky / Spanisch-englischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Porträt einer grandiosen Frau und extravaganten Persönlichkeit: Chavela war die Geliebte von Frida Kahlo, die Muse von Pedro Almodóvar, und die größte Sängerin Südamerikas - um nur einige ihrer Facetten zu nennen. Sie lief in ihren frühen Teenagerjahren von Zuhause weg und fing an, auf der Straße zu singen. In den 1950ern wurde sie ein Liebling der erblühenden Bohème-Szene von Mexiko-Stadt. Sie forderte die mexikanische Mainstream- Moral heraus, indem sie Hosen trug, Tequila trank und Zigarren rauchte. Nach einer langen, dem intensiven Alkoholgenuss geschuldeten Auftrittspause wurde sie Anfang der 1990er-Jahre wiederentdeckt. Sie hatte ein beeindruckendes Comeback, bevor sie nach Spanien ging, wo sie wie ein Phönix aus der Asche wieder aufstieg. Stark, lustig und quicklebendig hatte sie ihre besten Jahre nach ihrem 71. Geburtstag.

Chavelas lustvolle, schmerzliche, musikalische und zutiefst spirituelle Reise zu sich selbst ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Dokumentation. Aus teils unveröffentlichtem Material und Interviews mit Chavela selbst, ihren Weggefährten, Kolleginnen und Partnerinnen entstand ein liebevolles Porträt der charismatischen und zeitlebens offen lesbisch lebenden Ausnahmekünstlerin, die 2012 im Alter von 93 Jahren starb.

„Ich glaube, es gibt keine Bühne auf dieser Welt, die groß genug für Chavela wäre.“ Pedro Almodóvar

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
TANZSCHULE SCHILKE

MARIKAS MISSIO

Deutschland 2017 - 73 Minuten / Regie: Michael Schmitt / Deutsche Originalversion

Wir freuen uns, euch diesen wunderbaren Dokumentarfilm über eine starke Regensburger Persönlichkeit präsentieren zu können. Marika ist stark im Glauben verwurzelt und katholische Religionslehrerin. Seit ihrer Kindheit ist dies ihr Traumberuf. Bevor sie unterrichten durfte, wurde ihr die Missio Canonica erteilt, die Lehrerlaubnis der katholischen Kirche. In einem persönlichen Lebenszeugnis musste sie erklären, dass sie ein Leben nach der Sittenlehre der katholischen Kirche führen wird. Diese Lehrerlaubnis kann bei bestimmten Loyalitätsverstößen wieder entzogen werden, etwa wenn man offen homosexuell lebt.

Dem jahrelangen Druck, ihre Beziehung mit Partnerin Anke zu verstecken, setzt Marika ihren tiefen Glauben entgegen. Nach 14 Jahren Doppelleben muss sie eine Entscheidung treffen: Weiter ihren Traumberuf ausüben oder die eingetragene Lebenspartnerschaft mit Anke eingehen …

In MARIKAS MISSIO gelingt Michael Schmitt ein sehr persönlicher Blick auf ein weitgehend unbeachtetes und selten gezeigtes gesellschaftliches Thema: die Verbindung zwischen starkem christlichen Glauben und Homosexualität. Der Filmemacher (und Bruder von Anke) kommt dabei den beiden Protagonistinnen Marika und Anke sehr nah.

Der Filmemacher, Marika und Anke werden bei der Vorstellung anwesend sein.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
MARGIT KRÄMER

SIGNATURE MOVE

USA 2017 - 80 Minuten / Regie: Jennifer Reeder / Originalsprache mit deutschen Untertiteln

Zaynab arbeitet als Anwältin und wirft nebenher den Haushalt für sich und ihre pakistanische Mutter. Diese scheint auf beiden Augen blind zu sein, weil sie nach dem passenden Mann für Zaynab Ausschau hält. Sie weiß nicht sehr viel über ihre Tochter, während die seichten Beziehungsdramen im Fernsehen ihren Tagesablauf bestimmen. Für einen Blick nach draußen zückt sie manchmal ihr Fernglas und wird vom richtigen Leben überrascht. Zaynab geht zum Wrestling um Stress abzubauen. Eines Tages an einer Bar begegnet sie der Mexikanerin Alma, deren Ausstrahlung sie nicht lange widerstehen kann. Der Funke springt bald auf Alma über. Vom Stadtspaziergang bis hin zum gemeinsamen Zähneputzen. Doch bevor es weiter gehen kann, funkt eine andere Beziehung dazwischen. Alma scheint nicht kompromissbereit. Hier braucht es einen besonderen Move!

Eine kreativ erzählte Story, in der wir uns alle leicht wiederfinden. Und kein Wunder, dass Zaynab so authentisch rüberkommt: ihre Geschichte ist auch die ihrer Darstellerin, gleichzeitig Produzentin und Drehbuchautorin. Einige kennen sie vielleicht aus HER STORY oder als Trumps fiktive muslimische Tochter im MUSLIM TRUMP DOCUMENTARY. Mirza erntete viel Kritik für einen Tweet, in dem sie sich gleichzeitig als Muslima und Lesbe outete. Dass beides (und noch viel mehr!) sich nicht ausschließt, nehmen wir ihr ab.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
BAGEL STORE TIGER GREEN

QUEEN OF IRELAND

Irland 2015 - 86 Minuten / Regie: Conor Horgan / Englischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Irland, 23. März 2015: Panti Pandora Bliss, Irlands bekannteste Dragqueen und LGBTI-Aktivistin, wird von der Menge bejubelt, während sie zur Bühne schreitet, die vor dem irischen Parlament aufgebaut ist. Auf der Bühne zeigt sie ein Kärtchen mit nur einem Wort: "Equal". Die Anwesenden flippen fast aus. Am Vortag hatte Irland der Ehe für alle zugestimmt und war somit das erste Land der Welt geworden, das diese Gleichberechtigung per Volksabstimmung beschlossen hat. Die kurvenreiche bigger than reality Panti Bliss war das Gesicht der Kampagne. Rory O’Neill aber, ihr Schöpfer, war es, der die Türen abgeklappert hat, um für eine Ja- Stimme zu werben.

Als er mit diesem Projekt startete, konnte der Regisseur Conor Horgan nicht ahnen, dass seine Hauptfigur Rory nicht nur Panti, sondern sogar die Queen of Ireland werden würde. Der Film erzählt beide Geschichten. Die von Rory, der sich erst outet, nachdem er seinen eher erstickenden Geburtsort Ballinrobe verlassen hat. Nach einem Umweg über Japan kann er auch in seiner irischen Heimat Erfolge feiern. Er kämpft von nun an unentwegt gegen Homophobie. Die zweite Seite der Geschichte zeigt Panti, die sich ganz von Rorys Ängsten und Repressionen befreit hat. Sie ist alles, was sein Alter Ego nicht ist: unverwüstbar, schamlos, selbstsicher.

Die fulminante Hauptdarstellerin dieser Dokumentation schafft es, sich von ihrem Publikum ins Herz schließen zu lassen.

Publikumsliebling bei homochrom Köln 2016!

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
STA TRAVEL

HOMØE Auf der Suche nach Geborgenheit

Deutschland 2017 - 57 Minuten / Regie: Bin Chen / Original mit deutschen Untertiteln

Der Film gibt einen spannenden Einblick in die Situation und das tägliche Leben von LGBTI-Geflüchteten in Deutschland. Die drei Protagonisten Melissa, Javid und Boris sind aus unterschiedlichen Gründen und aus verschiedenen Ländern geflohen. Sie hatten gehofft, in Deutschland sichererer und diskriminierungsfreier leben zu können. Ihre Erlebnisse mit deutscher Bürokratie, anderen Flüchtlingen in ihren Unterkünften oder dem neuen Umfeld sind aber oft ernüchternd.

Javid aus Aserbaidschan startet eine Kampagne für LGBTI-Rechte, nachdem er einen Suizidversuch in der Flüchtlingsunterkunft überlebt hat. Gleichzeitig zieht Boris aus Russland in die erste deutsche Unterkunft für LGBTI-Geflüchtete in Nürnberg, aber er leidet wegen des komplizierten Asylverfahrens an Depressionen. Die Syrerin Melissa hat es in den Norden Deutschlands verschlagen. Sie hat ihren eigenen künstlerischen Weg gefunden, um andere Geflüchtete zu ermutigen.

Dieser bemerkenswerte Abschlussfilm von Bin Chen entstand im Rahmen seines Masterstudiums Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover. Der Film ist ein wichtiger Beitrag zur hitzig debattierten Flüchtlingsproblematik.

Mit Michael Glas vom AK Flucht & Migration, Fliederlich e.V. Nürnberg und Thomas Michel von Rainbow Refugees München.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
FILMBÜHNE

OUT OF IRAQ

USA 2016 - 81 Minuten / Regie: Eva Orner, Chris McKim / Englisch-arabischsprachiges Original mit englischen Untertiteln

Nayyef ist 2004 im irakischen Ramadi, damals einem der gefährlichsten Orte auf der Welt, als Dolmetscher für die amerikanische Armee tätig. Btoo ist irakischer Soldat. In ihrem Land ist die gleichgeschlechtliche Liebe verboten. Wenn sie sich outen würden, dann wären sie verfolgt und wahrscheinlich ohne gelyncht worden. Das ist der Grund, warum beide sich lange nicht trauen, ihre Gefühle dem anderen gegenüber in Worte zu fassen. Als Nayyef den Irak mit seinem amerikanischen Visum Richtung gelobtes Land verlässt, hofft er, dass Btoo ihm schnell folgen kann. Btoo flieht aus der Armee, verlässt seine Familie, zieht in den Libanon und versucht dort, als Flüchtling anerkannt zu werden. Wegen der unzähligen Rückschläge erleben beide eine emotionale Achterbahnfahrt, die sie fast an den Abgrund führt.

Die Dokumentarfilmer Eva Orner (u.a. Oscar für die beste Doku 2008) und Chris McKim schildern uns diese unglaubliche Liebesgeschichte, die sich auf zwei Kontinenten und über fünf Jahre abspielt. Immer wieder fragt man sich als Zuschauer fast verzweifelt, ob diese Männer es wirklich schaffen werden, ihr Leben zusammen zu gestalten.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
MICHEL DEVRIENDT

A MOMENT IN THE REEDS

Finnland 2017 - 107 Minuten / Regie: Mikko Makela / Englisch-finnischsprachiges Original mit englischen Untertiteln

Leevi, der einige Jahre in Paris Literatur studiert hat, kehrt für den Sommer nach Finnland zurück, um seinem Vater beim Renovieren des Ferienhauses zu helfen. Dieser hat sich nie so richtig damit abgefunden, dass sein Sohn schwul ist und obendrein noch Literatur studiert – brotlose Kunst für den eher handwerklich orientierten Vater. Als weitere helfende Hand trifft auch Tareq, ein Architekt aus Syrien, in der finnischen Idylle ein. Tareq ist kürzlich nach Finnland geflüchtet und hat aufgrund der Sprachbarriere noch keine feste Anstellung. Nachdem Leevis Vater aus beruflichen Gründen zurück in die Stadt muss, entdecken Tareq und Leevi gemeinsame Interessen und beginnen Gefühle füreinander zu entwickeln. Beide sind froh, den heimatlichen Verhältnissen entkommen zu sein, wenn auch unter völlig anderen Vorzeichen.

Mikko Makelas Regiedebüt ist ein erstaunlich reifes, vielschichtiges und romantisches Drama, das zusätzlich mit intensiven Sexszenen überzeugt. Aber auch das Setting zeugt von einem Sinn für die leisen Zwischentöne im Lärmen globaler Ereignisse. Während die Abgeschiedenheit des Ferienhauses in der finnischen Provinz für den einen das Sinnbild für Engstirnigkeit und familiäre Zwänge ist, bedeutet sie für den anderen die Freiheit, endlich zu leben, wie er es sich immer gewünscht hat.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
SCHIERSTADT

CLOSE-KNIT (Karera ga honki de amu toki wa)

Japan 2017 - 127 Minuten / Regie: Naoko Ogigami / Japanischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Seit dem Jahre 2002 ist es allen Japanern, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen haben, gesetzlich erlaubt, ihren rechtlichen Personenstand entsprechend dem eigenen Empfinden zu ändern. An diesem Punkt befindet sich Rinko (Toma Ikuta). Die Arbeit an ihrem Körper ist abgeschlossen, wie sie sagt, aber so ganz hat sie das Mannsein noch nicht hinter sich gelassen. Es ist hilfreich, dass sie ihren Zustand erklärt, denn in Naoko Ogigamis siebtem Spielfilm lernen wir Rinko durch die Augen eines Kindes kennen.

Die elfjährige Tomo (Rinka Kakihara) muss mit vielen Problemen gleichzeitig fertig werden. Eines davon ist ihre Mutter, die, wenn sie spät nach Hause kommt, meist betrunken ist, und eines Tages schließlich ganz wegbleibt. Die einzige Möglichkeit ist, bei ihrem Onkel Makio (Kenta Kiritani) unterzukommen, der mit Rinko in einer festen Beziehung zusammenlebt. Diese anfängliche Zweck-WGKonstellation nutzt Naoko Ogigami, um seinen Film als Ensembledrama zu etablieren: Tomo, die sich allein gelassen fühlt, muss sich an die neue Situation gewöhnen. Und schließlich führt das Stricken sie an Rinko heran.

CLOSE-KNIT ist ein sehr behutsamer Film - ein ausgefeiltes Interesse gilt den Figuren. Rinko wird von Naoko Ogigami nicht zu einer stereotypen Vertreterin aller Transfrauen degradiert, sondern hat Tiefe, Persönlichkeit und eine eigene Geschichte.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
WAMSLER ROHLOFF WIRZMÜLLER

SCHWULE KURZFILME

Gesamtlaufzeit ca. 90 Minuten / teils englische Originalfassungen, teils englische Untertitel

A DOLL’S EYE
Regie: Jonathan Wysocki, USA 2016, 12 Min.
Seit seiner Kindheit wird der Regisseur von Erinnerungen verfolgt, die mit dem Film DER WEIßE HAI zusammenhängen. Schließlich entdeckt er den Grund dafür. Eine Auseinandersetzung mit ganz persönlichen Angst- und Schamgefühlen.

SWIMMIMG POOL
Regie: Carlos Ruano, Spanien 2017, 10 Min.
Für Santi und Jota ist der Tag zu schön, um Vorlesungen zu besuchen. Ins Schwimmbad zu gehen, können sie sich nicht leisten, aber es gibt eine Lösung. Zuerst müssen sie allerdings einen Antrag stellen. Der bringt Überraschendes ans Licht.

SISAK
Regie: Faraz Ansari, Indien 2017,15 Min.
Eine Liebesgeschichte ohne Worte, die sich Schritt für Schritt zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern in den Nahverkehrszügen in Mumbai abspielt. "Sisak" bedeutet "innerlicher, herzzerreißender Schrei" auf Urdu.

THE END OF MY WORLD
Regie: Kamil Krawczycki, Polen 2017, 30 Min.
Für Filip, der nach einer Beziehung, die einige Jahre gedauert hat, von seinem Partner Eryk verlassen wird, scheint das Leben keinen Sinn mehr zu haben. Vielleicht aber bedeutet diese Trennung einen neuen Anfang.

EXCHANGE
Regie: Dorian Carli-Jones, USA 2017, 9 Min.
Als letzte Erinnerung einer Beziehung bleibt einem Mann nur die Jacke seines Ex-Partners. Schweren Herzens bringt er sie zurück und stellt fest, dass sein Ex-Partner nicht so lange trauert.

YOU
Regie: Felipe Cabral, Brasilien 2017, 19 Min.
Ein Mädchen versucht, den Tod ihres besten Freundes zu verstehen. Dem im Stil einer Doku verfilmten Leben des jungen Mannes wurde durch Homophobie viel zu früh ein Ende gesetzt.

HI, IT’S YOUR MOTHER
Regie: Daniel Sterlin-Altman, Kanada 2016, 5 Min.
Horror, Porno oder Tragikomödie? Die Mutter eines schwulen Sohnes bereitet das Essen in der Küche vor, als sie unvermittelt einen Anruf bekommt, der Stress und Chaos verursacht.

A DATE FOR MAD MARY

Irland 2016 - 82 Minuten / Regie: Darren Thornton / Englischsprachiges Original mit deutschen Untertiteln

Mary war eine Zeit lang im Gefängnis. Wenn jemand ihr den falschen Blick zuwirft, bricht lautstarke Frustration aus ihr heraus. Und so einiges mehr kann mit ihr passieren, bevor bald Polizeisirenen aufheulen. Doch ihre Geschichte ist kein Sozialdrama. Dieselbe Mary hegt Sehnsucht nach ihrer besten Freundin aus Schultagen, ihrer engsten Vertrauten. Charlene steckt allerdings tief in ihren Hochzeitsvorbereitungen. Als Trauzeugin muss auch Mary sich auf den großen Tag einstimmen und bekommt organisatorische Aufgaben aufgedrückt. Dabei muss sie auch erkennen, wie sich Charlene mehr und mehr von ihr entfernt. Und nicht zuletzt stellt sich die Frage nach Marys Begleitung für das Hochzeitsfest. Ein nicht gerade vielversprechender Date-Marathon nimmt seinen Lauf. Und die widerspenstige Mary gerät auf Abwege …

Darren Thornton bringt der Story seines Langfilmdebüts viel Respekt und Feinsinnigkeit entgegen. Der Spannungsbogen schwankt zwischen sich anbahnendem Gefühl und nüchterner Realität. Die derzeit gefragteste irische Schauspielerin Seána Kerslake verleiht ihrer schroffen wie sensiblen Figur sehr viel Tiefe. Marys besonderer Charme fesselt!

PS: In Sachen Hündinnenblick und Schmollmund drängt sich der Vergleich mit Adèle aus "Blau ist eine warme Farbe" auf.

In Kooperation mit Heimspiel Filmfest

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
TARACAFE TARAYOGA

LESBISCHE KURZFILME

Gesamtlaufzeit ca. 90 Minuten / Teils englische Originalfassungen, teils englische Untertitel

THE FRUIT OF OUR WOMB
Regie: Laurie Mannessier, Frankreich 2017, 29 Min.
Andrea ist jung, lesbisch und hatte noch nie Sex mit einem Mann. Um so verwirrter sind sie und ihre Freundin, als das Unmögliche plötzlich denkbar scheint.

TASTE OF LOVE
Regie: Paul Scheufler, Östereich 2017, 5 Min.
Wie schmeckt die Liebe? Dieser Frage geht der Film mit intensiven und suggestiven Bildern auf den Grund.

BEAUTIFUL FIGURE
Regie: Hajni Kis, Ungarn 2016, 17 Min.
Eine Putzfrau an einem Gymnasium verliebt sich in eine Schülerin. Sie weiß, dass ihre Sehnsucht unerfüllbar ist und geht trotzdem aufs Ganze.

ROSE
Regie: Claudio Franke, Deutschland 2016, 16 Min.
Als Rose aus dem Gefängnis entlassen wird, bietet ihr die einsame Wärterin Marie (Ulrike Folkerts) an, bei ihr zu wohnen und sich um ihre Mutter zu kümmern. Doch Rose begreift schnell, dass es sich wieder um ein Gefängnis handeln würde.

BUTCH COYOLLXAUHQUI
Regie: Karleen Pendleton Jiménez, Kanada 2016, 4 Min.
Kurze Selbstreflexion über Weiblichkeit und Körperbewustsein mit eigenen Erinnerungen der Filmemacherin an ihre Mutter und im Rahmen einer Sage über die Göttin Coyollxauhqui.

STOP THE WIND FROM BLOWING
Regie: Eduardo Sosa Soria, Frankreich 2016, 10 Min.
Eine junge Frau versucht, mit dem Selbstmord ihrer Freundin umzugehen. Aber auch ein Ausflug in die freie Natur macht die eigenen Schuldgefühle nicht vergessen - im Gegenteil.

BRIDE OF FRANKIE
Regie: Devi Snively, USA 2017, 19 Min.
In dieser kleinen Verbeugung vor Mary Shelleys Frankenstein wird ein ziemlich konservativer Forscher von den Ergebnissen seiner Arbeit und seiner weiblichen Mitarbeiterin förmlich umgehauen.

THE YEAR I LOST MY MIND

Deutschland 2017 - 85 Minuten / Regie: Tor Iben / Deutsche Originalversion

Der einsame Tom verliebt sich bei einem Wohnungseinbruch mit seinem Kumpel Rachid in den schlafenden Bewohner Lars, einen jungen Geschichtsdozenten. Tom beginnt Lars heimlich zu beobachten und zu verfolgen, ohne ihm etwas von seiner Existenz und seinen Gefühlen zu verraten. Immer mehr verirrt Tom sich in einem Versteckspiel, in einem Labyrinth der Leidenschaften. Als Lars ihm auf die Schliche kommt, wird der Verfolger für einen Augenblick zum Verfolgten, aber schon im nächsten Moment wendet sich das Blatt noch einmal ...

Tom pflegt eine Obsession zur Maskerade. Er sammelt Masken und versteckt sich auch im Alltag gerne hinter denselben. Und dabei scheint er sich manchmal selbst zu fragen, was es damit eigentlich auf sich hat.

THE YEAR I LOST MY MIND wurde ausschließlich in Berlin gedreht. An "geschichtsträchtigen" Orten, die in der schwulen Historie der Stadt eine Rolle spielen: Im Tiergarten, im Schwulen Museum oder im Ficken 3000 - Orte schwuler Geschichte und Identität. Dies ist bereits der dritte Film des diesjährigen Jurymitglieds Tor Iben, den wir präsentieren dürfen: 2014 zeigten wir den Kurzfilm DAS PHALLOMETER und 2015 den Spielfilm WO WILLST DU HIN, HABIBI? Ihr dürft gespannt sein auf seinen neuen faszinierenden und auch ein wenig irritierenden Film.

Der Regisseur Tor Iben ist anwesend.

Dieser Film wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung von:
PALLETTI BAR

QUEERE KURZFILME

Gesamtlaufzeit ca. 90 Minuten / Teils englische Originalfassungen, teils englische Untertitel

VOICES
Regie: Pierre-Yves Dalka, Deutschland 2017, 28 Min.
Die Doku zeigt Trans-Menschen, die das Ziel haben, auch ihre Stimme ihrer neuen Identität anzupassen. Der Film zeigt auch, wie wichtig die Stimme für die Wahrnehmung durch das Umfeld ist.

THE RECIPE
Regie: Luigi Pironaci, Italien 2016, 12 Min.
Giusy kocht ein Gericht für einen besonderen Gast und bekommt telefonische Unterstützung durch ihre Freundin. Doch das Gespräch beim Essen verläuft nicht ganz nach ihrem Geschmack.

SELF AND OTHERS
Regie: Patricia Silva, USA 2015, 6 Min.
Der experimentelle Film besteht aus Filmsequenzen aus der Vergangenheit und zeigt die Darstellung von Bisexualität. Er konzentriert sich auf Gesten und Gesichtsausdrücke und intensiviert so die Wahrnehmung dieser Szenen.

SPILT MILK
James Dunstan, Großbritannien 2016, 23 Min.
Der Film erzählt einfühlsam die Geschichte zweier Teenager, die kurz vor dem Abschlussball sehr mit den eigenen Problemen beschäftigt sind. Und dennoch verbindet sie eine tiefe Freundschaft, deren Charakter und Tragweite beide ganz unterschiedlich empfinden.

2000 YEARS OF DRAG
Regie: Dorian Electra, USA 2016, 5 Min.
Dieses Musikvideo ist ein Feuerwerk in Drag. Völlig unverkrampft und äußerst fantasievoll geht es auf eine Reise durch Zeiten und Kulturen und das Spiel mit Rolle und Geschlecht.

TAILOR
Regie: Calí dos Anjos, Brasilien 2017, 10 Min.
Tailor ist ein Trans-Cartoonist, der auf seiner Homepage die Erfahrungen anderer Trans-Menschen in der Gesellschaft in illustrierter Weise publik macht.

THE KISS
Regie: Joffre Faria Silva, Kanada 2017, 7 Min.
Eine Mutter wird zu einem Gespräch mit der Schulleiterin ihres Sohnes gerufen, weil dieser einen Mitschüler geküsst hat.

MUM, I’M BACK
Regie: Dimitris Katsimiris, Griechenland 2017, 5 Min.
Dieses so kurze wie beeindruckende Drama zeigt, wie wenig Zeit man braucht, um das Publikum in eine Geschichte zu führen, zu fesseln und mit der Hauptfigur fühlen zu lassen.
Eine Trans-Frau kehrt zur Beerdigung der Mutter in ihre Heimat zurück...

Preisverleihung direkt im Anschluss