KINO UND SCHULE

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern

Der Arbeitskreis Film Regensburg e.V. kümmert sich nun seit über 30 Jahren um Filmkunst und Kinokultur in Regensburg. In jüngster Zeit richtet sich unser Hauptaugenmerk auf die außerschulische Filmbildung.

In den letzten Jahren ist auch in Deutschland die Erkenntnis gereift, dass Film mehr ist als ein Konsumprodukt. Unsere Umwelt entwickelt sich weg von einer Schrift- hin zu einer Bildkultur. Das bewegte Bild, der Film, bestimmen in starkem Maße unsere Wahrnehmung sozialer Realität. Wir alle sind dieser Entwicklung und dieser Bildsprache ausgesetzt.

Wir möchten dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche so früh wie möglich den Umgang mit dem bewegten Bild erlernen und sinnvoll damit umgehen. Unser Interesse ist es, Ihnen das Kino, als ursprünglichen Ort der Filmrezeption, als Ort kultureller und sozialer Kommunikation und als Teil unserer Kulturgeschichte zu präsentieren und näher zu bringen.

Wir wissen, dass an Schulen sehr gute Arbeit im Bereich der Medienerziehung geleistet wird. Wir möchten Sie jedoch mehr, effektiver und systematisch in Ihrer Arbeit unterstützen. Wir schließen uns damit der Initiative vieler kommunaler Kinos in Deutschland an und agieren nach dem Leitfaden des bundesdeutschen Instituts Vision Kino.

Unser Angebot zur außerschulischen Filmbildung im Überblick:

SONDERVORSTELLUNGEN

Zu Beginn des jeweiligen Schulhalbjahres werden die Bildungseinrichtungen vom aktuellen Angebot unserer Sondervorstellungen an Vor- und Nachmittagen unterrichtet.

Sondervorstellungen werden von dem/den Gruppenleiter/innen und zuständigen Fachlehrer/innen per Fax gebucht.

Der Eintritt pro Kind beträgt 3,00 EUR. Die Anfangszeiten sind vorgegeben, können jedoch individuell abgesprochen werden.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei den
SONDERVORSTELLUNGEN in der FILMGALERIE.

 


KURZFILMWOCHE

Wie in den Jahren zuvor möchten wir die Schulen, ihre Lehrerinnen und Lehrer zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern einladen, bei der INTERNATIONALEN KURZFILMWOCHE dabei zu sein!

In Sonderprogrammen werden bestimmte Themen beleuchtet. Die besten Filme des Länderfokus werden gezeigt und es gibt eine Werkschau eines Künstlers. Auch einzigartige und originelle Arbeiten sind im Programm. Zudem gibt es vier Wettbewerbe: Den Internationalen Wettbewerb, den Deutschen Wettbewerb, das Bayernfenster und das Regionalfenster, das meist aus zwei Programmen besteht.

Für Lehrkräfte und Schulklassen werden wir wieder spezielle Programme zusammenstellen, die wir Ihnen hier vorstellen möchten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei den Schulprogrammen der
INTERNATIONALEN KURZFILMWOCHE in der FILMGALERIE.

 


SCHULKINOWOCHE BAYERN 2017

Vom 27. bis 31. März 2017 feiert die SchulKinoWoche Bayern zehnjähriges Jubiläum. Wieder haben Schulklassen aller Jahrgangsstufen und Schularten die Gelegenheit, den Unterricht in den Kinosaal zu verlegen.

Filmprogramme mit aktuellen Produktionen, Dokumentarfilmen, Animationen und Filmklassikern bieten vielseitigen und lehrplanrelevanten Stoff zur filmischen Auseinandersetzung und Förderung der Filmkompetenz von Schülerinnen und Schülern. Unser aktuelles Programm bietet wieder einen bunten Mix aus verschiedenen Genres und Themen, regt zum Nachdenken und zur Diskussion an und verbessert das Sprachverständnis.

Das Angebot wird ergänzt durch Lehrerfortbildungen, KinoSeminare für Schülerinnen und Schüler sowie Unterrichtsmaterialien zur Vor- und Nachbereitung des Kinobesuchs.

Die jeweils aktuellen Informationen erhalten Sie im Hauptportal der SchulKino-Woche Bayern ebenso die Informationen zum Programm, den Terminen und zur Anmeldung. Um Ihren Wunschtermin zu sichern, empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung. Anfragen für Zusatztermine außerhalb des festen Programms nehmen wir unter schule@kurzfilmwoche.de gerne entgegen.

EINTRITTSPREIS: 3,50 EUR pro Schüler/in - Begleitende Lehrkräfte haben freien Eintritt

Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei der
SCHULKINOWOCHE BAYERN in der FILMGALERIE
und wünschen viel Vergnügen und lehrreiche Stunden im Klassenzimmer Kino.

 


 

Heidi

Deutschland, Schweiz 2014 / Regie: Alain Gsponer

Das 9-jährige Waisenmädchen Heidi will auf keinen Fall ins Waisenhaus abgeschoben werden. Dafür nimmt die Frohnatur sogar die Gesellschaft ihres grantigen Großvaters in Kauf, den alle im Dorf nur Alm-Öhi nennen. Der Einsiedler will die unerwünschte Enkelin zunächst schnellstmöglich dem Dorfpfarrer überantworten. Mit ihrer natürlichen und offenen Art erweicht Heidi jedoch das Herz des Alten und knüpft zudem eine Freundschaft mit dem gleichaltrigen Geißenpeter, der den Frust über den Rohrstock des Lehrers schon mal an seinen Ziegen auslässt. Doch dann vermittelt Heidis Tante Dete das Waisenkind an die wohlhabende Familie Sesemann aus Frankfurt, die eine Spielgefährtin für die gehbehinderte Klara sucht. Die stickige Großstadt und die strenge großbürgerliche Etikette erdrücken Heidi, deren Sehnsucht nach der Alm sich bald sogar in einer Krankheit manifestiert.

Termine:
27.03. | 10:30 Uhr
29.03. | 08:30 Uhr

Umsetzung
Es ist nicht übertrieben, „Heidi“ als ein nationales Kulturgut der Schweiz zu bezeichnen. Die Romane „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ (1879) und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ (1880) der Autorin Johanna Spyri wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt und erfuhren eine rege weltweite Rezeption. Der schweizerisch-deutsche Regisseur Alain Gsponer widmet dem bereits mehrfach adaptierten Stoff nun eine weitere, sorgsam ausgestattete Realverfilmung. Anders als manch andere „Heidi“-Adaption durchsetzt Gsponer die Romantisierung des Berglebens mit einer Prise Sozialrealismus, die das karge Leben der Almbewohner um 1900 bebildert. Im deutlichen Kontrast zur Landbevölkerung steht das Großbürgertum aus Frankfurt, das den Stadt-Land-Konflikt der Geschichte auch im Unterschied zwischen Arm und Reich verortet. Ein Pluspunkt der Neuverfilmung ist die bis in die Nebenrollen starke Besetzung mit Anuk Steffen als Heidi, Bruno Ganz als Alm-Öhi oder Katharina Schüttler als strenge Gouvernante Fräulein Rottenmeier.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Zunächst bietet die neue Verfilmung einen Vergleich mit den Romanvorlagen und weiteren Adaptionen des Stoffs an. Eine vergleichende Betrachtung kann auch eine intermediale Perspektive einnehmen, da „Heidi“ nicht nur als Stumm-, Schwarzweiß- und Farbfilm adaptiert wurde, sondern auch im Serienformat, als Comic, Hörspiel und Musical. Eine Filmanalyse kann die Mittel herausarbeiten, mit denen der Film das Land und die Stadt als Gegensatzpaar inszeniert. Auf der Alm dominiert die mit Freiheit assoziierte Weite des Blicks, während das Stadtleben in engen Gassen und hinter verschlossenen Fenstern stattfindet. So ist es nicht verwunderlich, dass Heidi bald ein starkes Heimweh entwickelt. Anhand des Schicksals des Waisenmädchens können die Schüler/innen auch von eigenen Erfahrungen berichten, wenn sie sich zum Beispiel nach einem Schulwechsel oder Umzug in der neuen Umgebung fremd gefühlt haben. Auch als Leseanfängerin bietet sich Heidi als Identifikationsfigur an. So kann mit den Kindern über ihr Lieblingsbuch gesprochen werden und darüber, welche Bedeutung das Lesen und Schreiben in ihrem Leben hat.

Deutsch lernen mit Filmen:
Hinweise zum Einsatz des Films mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen Die Geschichte des Waisenmädchens Heidi, welches mit zwei sehr unterschiedlichen Lebenswelten – erst der abgeschiedenen Alm, dann der großbürgerlichen Stadtwohnung – konfrontiert wird und schließlich eine wichtige Entscheidung trifft, bietet viele Anknüpfungspunkte für Kinder, die sich an neuen und ungewohnten Orten zurechtfinden müssen. Zudem ist der Film aufgrund seiner eindrucksvollen Bildsprache und sparsam gesetzten Dialoge gut verständlich und bietet Anlass für Gespräche über eine Reihe von Themen, etwa Familie, Freundschaft, Stadt und Land sowie Heimat und Heimweh.

Laufzeit:
111 Minuten

Genre:
Literaturverfilmung

FSK:
0

Schulunterricht / Altersempfehlung:
2. - 6. Klasse | ab 7 Jahren

Themen:
Heimat, Erziehung, Heimweh, Rebellion, Freundschaft, Behinderung, Land-Stadt-Konflikt, Kindheit, Mädchen, Literaturverfilmung

Unterrichtsfächer:
Deutsch, Sachkunde, Erdkunde, Religion, Ethik

Auf dem Weg zur Schule

Frankreich 2012 / Regie: Pascal Plisson

Im Morgengrauen macht sich der elfjährige Jackson mit seiner jüngeren Schwester auf den Weg zur Schule: 15 Kilometer durch die kenianische Savanne im Laufschritt, über Berge und Hügel, immer auf der Hut vor Elefanten und anderen gefährlichen Wildtieren. Jacksons Familie ist arm und hat die Hoffnung, dass es den Kindern besser ergehen wird. Jackson ist überzeugt, dass ihm Bildung eine bessere Zukunft ermöglicht und er Pilot werden kann. Der französische Filmemacher Pascal Plisson porträtiert in seinem Dokumentarfilm vier Kinder aus Kenia, Marokko, Argentinien und Indien, die für ihren Schulbesuch eine beschwerliche und oft gefährliche Reise in Kauf nehmen: Sie reiten allein durch die Weite Patagoniens, überqueren Gebirgspässe oder unwegsame Flusstäler und müssen dabei mit schwierigen Situationen fertig werden, wobei sie aber nie ihr Ziel, die Schule, aus den Augen verlieren.

Termine:
28.03. | 08:30 Uhr
31.03. | 08:45 Uhr

Umsetzung
Nach einer kurzen Einführung, in der die Protagonisten/innen im Familienkreis und bei täglichen Aufgaben vorgestellt werden, konzentriert sich der Film auf die abenteuerlichen Reisen der Kinder, die stellvertretend jeweils verschiedene Grundthemen etwa Bildung für Mädchen oder Inklusion repräsentieren sollen. Die meist ruhige Kamera ist den Mädchen und Jungen dabei dicht auf den Fersen oder fängt beeindruckende Landschaftsbilder ein. Die vier Geschichten werden parallel und mit großer Leichtigkeit von den Kindern selbst erzählt, die so Einblicke in ihre Gedanken und ihr Alltagsleben fernab großer Städte erlauben. Auf dem Weg zur Schule ist dabei ein versöhnlicher Film, der Probleme weitestgehend ausspart: Konflikte werden meist im Nu von den jungen Helden/innen gelöst, Tod und schwere Unfälle kommen nicht vor und natürlich erscheinen alle Kinder pünktlich zum Unterricht. Einige Szenen, etwa als Jackson vor Elefanten flüchten muss, sind nachgestellt worden, ohne dass dies im Film gekennzeichnet wird.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Vier Kinder und ihr strapaziöser Schulweg mit den Geschichten von Jackson, Zahira, Samuel und Carlito will Regisseur Plisson zeigen, welchen hohen Wert Bildung für Heranwachsende in abgelegenen und/oder armen Regionen hat (wobei der Film nicht auf die Lerninhalte in den jeweiligen Schulen eingeht). Die porträtierten Kinder müssen nicht zur Schule gehen, sie wollen es. Insofern bietet der Film einen guten Anlass, um mit Schülern/innen über Sinn und Nutzen von Schulbildung zu sprechen und eigene Einstellungen zum Thema Schule zu hinterfragen. Dabei lohnt es sich, auch nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zu schauen. Denn der Film erlaubt Einblicke in den Alltag und die Lebenswelten von Kindern, die inmitten der Natur leben, jenseits großer Städte. Hier ist vor allem das Zusammenleben der Generationen spannend. Auffallend ist, wie selbstständig die Kinder sind und wie viel Verantwortung sie bereits in jungen Jahren für sich und andere übernehmen müssen.

Laufzeit:
75 Minuten

Genre:
Dokumentarfilm

FSK:
0

Schulunterricht / Altersempfehlung:
2.-7. Klasse | ab 7 Jahren

Themen:
Schule, Kindheit/Kinder, Fremde Kulturen, Familie, Werte, Armut, Abenteuer

Unterrichtsfächer:
Deutsch, Ethik, Sachkunde/Lebenskunde, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde

Deine Schönheit ist nichts wert (deutsch-türkische OmU)

Österreich 2012 / Regie: Hüseyin Tabak

Der 12-jährige Veysel - halb Türke, halb Kurde - lebt nach der Flucht seiner Familie seit kurzem in Wien. Mangelnde Sprachkenntnisse und Konflikte innerhalb der Familie erschweren den Start. Als er die Aufgabe bekommt, der Klasse ein Gedicht vorzutragen, entscheidet er sich für Âşık Veysels "Deine Schönheit ist nichts wert". So besinnt er sich mit Hilfe des Nachbarn Cem, der als Übersetzer fungiert, nicht nur auf seine kulturellen Wurzeln, sondern kommt auch der von ihm angehimmelten Mitschülerin Ana näher. Doch auch Ana ist Flüchtling und eines Tages steht die Polizei vor ihrer Tür.

Termine:
29.03. | 11:00 Uhr
31.03. | 10:30 Uhr

Umsetzung
Dass Veysel sich in eine tagträumerische Fantasiewelt flüchtet, trägt der Film durch märchenhaft-poetische Szenen Rechnung, die in satten Farben und leicht verfremdetem Ton inszeniert sind. Sie kontrastieren mit dem harten Alltag, der aus Demütigungen in der Schule, Verständnislosigkeit und Isolation, aus Behördengängen und dem Streit innerhalb der Familie geprägt ist. So können Themen wie Asylrecht, Abschiebung, Jugendkriminalität dargestellt werden, ohne dass sich beim Zuschauer ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit einstellt. In Konzeption und Inszenierung geschickt mit den Zutaten eines poetischen Realismus arbeitend, entgeht der Film somit der Gefahr, als soziales Rührstück zu enden. Die Kamera folgt strikt Veysel, beobachtet ihn und zeigt seinen Blick - unterstützt von der Tongestaltung - auf die Geschehnisse um ihn herum. Der Authentizität verpflichtet ist ein großer Teil der Dialoge auf türkisch, versehen mit deutschen Untertiteln.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film bietet einen einfühlsamen Einstieg, um die Themen Migration und Integration anzusprechen. Gleichzeitig lassen sich Veysels Probleme (Familienstreitigkeiten, Zurücksetzungen in der Schule, erste Liebe) auch gut verallgemeinern und auf die Lebensrealität aller Schüler/innen übertragen. Die Wichtigkeit von Kommunikation, Toleranz und Akzeptanz lassen sich herausarbeiten, die Bedeutsamkeit von Kultur und Tradition (und ihre Progression) für die Identität des Menschen veranschaulichen. Interessante Aspekte besonders für den Deutschunterricht sind der Umgang mit Sprache/Sprachlosigkeit und die Gedichtinterpretation. Auch eine Auseinandersetzung mit Kadirs Rap kann in diesem Zusammenhang interessant sein. Da sich Veysels Traumvorstellungen und sein Alltag in ihrer ästhetisch-stilistischen Umsetzung (Zeitlupe, Ton, Musik) deutlich voneinander unterscheiden, lassen sich hier besonders gut filmische Mittel und ihre Wirkung nachvollziehen.

Laufzeit:
85 Minuten

Genre:
Drama, Jugendfilm

FSK:
6

Schulunterricht / Altersempfehlung:
5.-8. Klasse | ab 10 Jahren

Themen:
Außenseiter, Identität, Ausländer/Migration, fremde Kulturen, Heimat, Kommunikation, Schule, Jugend, erste Liebe, Familie, Delinquenz, Vater-Sohn-Konflikt

Unterrichtsfächer:
Deutsch, Ethik, Religion, Sozial-/Gemeinschaftskunde, Musik, Erdkunde

The True Cost - Der Preis der Mode

USA 2015 / Regie: Andrew Morgan

Mode wird immer billiger. Ein T-Shirt bekommt man heute für fünf Euro, eine Jeans kostet gerade mal zehn. Um Kleidung so günstig herzustellen, haben Textilunternehmen ihre Produktionsstätten in Billiglohnländer wie China, Indien und Bangladesch verlagert. Dort entsteht die Kleidung für den westlichen Markt unter oft menschenunwürdigen und gefährlichen Arbeitsbedingungen. In den letzten Jahren häufen sich die Meldungen über Katastrophen wie den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit 1127 Todesopfern. Die Verschmutzung der Umwelt durch giftige Chemikalien aus der Textilherstellung richtet weitere verheerende Schäden an. „The True Cost – Der Preis der Mode“ dokumentiert diese soziale und ökologische Ausbeutung der Entwicklungsländer im Zeichen eines globalisierten Modemarkts und führt sie auf eine veränderte Einstellung gegenüber Kleidung zurück: Heute diktieren uns Industrie und Werbung die sog. „Fast Fashion“, bei der Kleidung nur noch als Wegwerfprodukt verstanden wird.

Termine:
28.03. | 10:30 Uhr
30.03. | 14:00 Uhr

Umsetzung
Der Film besteht zum Großteil aus Interviews mit Opfern, Akteuren und Kritikern dieser Ausbeutungsprozesse. Er befragt betroffene Fabrikarbeiter und lokale Manager, Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten. Um die kognitiven Prozesse im Zusammenhang mit „Fast Fashion“ zu erklären, kommen zudem Psychologen zu Wort. Aussagen von Führungsfiguren der großen Modekonzerne fehlen – die hätten alle Anfragen zurückgewiesen, erklärt Morgan in seinem Off-Kommentar, mit dem er die Zuschauer durch den Film leitet und immer wieder Ergebnisse pointiert zusammenfasst. Zu Beginn und am Ende des Films arbeitet er zudem mit einer polarisierenden Parallelmontage: Hochglanz-Aufnahmen von westlichen Modeschauen und Kaufräuschen werden Bilder von den erbärmlichen Zuständen in chinesischen und indischen Textilfabriken sowie Nachrichtenmaterial von tödlichen Katastrophen der letzten Jahre gegenübergestellt. Diese plakativen Passagen zielen zweifelsohne auch auf eine Emotionalisierung des Zuschauers ab.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Entwicklung der internationalen Modeindustrie der letzten 30 Jahre kann als Musterbeispiel für die negativen Folgen der Globalisierung gelten. Im Unterricht kann Morgans Film diesbezüglich als hervorragendes Anschauungsmaterial dienen, auch deshalb, weil es ihm gelingt, Ursachen zu benennen und Wege zu einer sozial und ökonomisch humaneren Modeindustrie zu skizzieren. Davon ausgehend lassen sich die vielfältigen Fragen diskutieren, die der Film aufwirft: Wer ist verantwortlich für diese Entwicklung? Warum ist die reiche Modeindustrie nicht in der Lage, für vernünftige Arbeitsbedingungen zu sorgen? Welche sozialen oder ökologischen Reglements könnten die Situation verbessern? Gibt es eine Möglichkeit, das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern zu fördern, ohne diesen hohen Preis zu zahlen? Wir müssten die Bedingungen für „Fair Trade“ aussehen? Wie kann auch jeder Einzelne von uns mit dem persönlichen Kauf- bzw. Kleidungsverhalten Einfluss auf diese Entwicklungen beeinflussen?

Laufzeit:
92 Minuten

Genre:
Dokumentarfilm

FSK:
6

Schulunterricht / Altersempfehlung:
7. - 12. Klasse | ab 12 Jahren

Themen:
Arbeit, Ausbeutung, Frauen, Gewerkschaften, Gerechtigkeit, Globalisierung, Kapitalismus, Verantwortung, Ökologie, Wirtschaft, Asien, Werbung

Unterrichtsfächer:
Geographie, Wirtschaft, Recht, Sozialkunde, Ethik, Geschichte


BRITFILMS 2017

Das BRITISH SCHOOL FILM FESTIVAL ist eine Schulfilmreihe der AG KINO- GILDE, des Verbandes der Programmkinos und Filmkunsttheater Deutschlands. Sechs britische Filme touren ein Schuljahr lang durch die deutschen Kinos und werden von den Kinobetreibern in Schulvorführungen für Kinder im Alter von 8-18 Jahren eingesetzt. Die Vorführungen können direkt in den teilnehmenden Kinos gebucht werden. Alle Filme werden im englischsprachigen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Begleitend werden Fortbildungen/Filmvorstellungen für Englischlehrer angeboten. Ebenso gibt es als pädagogisches Begleitmaterial Study Guides zu den einzelnen Filmen als Download.

Das BRITISH SCHOOL FILM FESTIVAL wurde nach dem Vorbild unserer außerordentlich erfolgreichen französischen Schulfilmreihe CINÉFÊTE konzipiert, die jedes Jahr von über 100.000 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Das Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks aus Filmtheatern, Verbänden und Schulen, das sich für die Vermittlung von englischer Filmkultur in Deutschland einsetzt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch beim
BRITISH SCHOOL FILM FESTIVAL in der FILMGALERIE.

 


 

Song of the sea

Irland/ Luxemburg/ Belgien/ Frankreich/ Dänemark 2014, R: Tomm Moore
Animation, 93 min
FSK: 0, Altersempfehlung: 6+
Sprachfassungen: Englisch mit deutschen Untertiteln

Regisseur Tomm Moore hat nach THE SECRET OF KELLS erneut einen oscarnominierten Animationsfilm geschaffen: SONG OF THE SEA erzählt, verwoben mit keltischen Sagen, die Geschichte von Ben und seiner kleinen Schwester Saoirse. Die Mutter ist nach der Geburt Saoirses verschwunden, den Vater befällt eine Schwermut und Saoirse spricht nicht. Niemand weiß, dass sie eine Selkie ist, ein Seehundwesen wie die Mutter. Zusammen beginnen die Geschwister ein Abenteuer, um die Welt der Geister und Feen zu retten.

In seiner berührenden und künstlerischen Bildsprache ist Moores Film nicht nur für ein junges Publikum geeignet.

You’re ugly too

Irland 2015, R: Mark Noonan
Komödie/Drama, 81 min
FSK: 6, Altersempfehlung: 11+
Sprachfassungen: Englisch/ Englisch mit englischen oder deutschen Untertiteln

Als die elfjährige Stacey und ihr Onkel Will aufeinandertreffen, kennen sie sich kaum und ziehen zusammen in einen Trailerpark in den irischen Midlands. Will wurde vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, um sich um seine Nichte zu kümmern. Das ungewohnte Zusammenleben in einem kleinen Wohnwagen erweist sich als schwierig zwischen dem melancholischen Will und der vorlauten Stacey, ruppige Wortgefechte sind an der Tagesordnung. YOU'RE UGLY TOO, das Spielfilmdebüt Mark Noonans, erzählt bittersüß und mit irischem Humor, wie sich Stacey und Will vorsichtig annähern und lernen, das Vertrauen auf Ehrlichkeit basiert.

Tomorrow

Frankreich 2015, R: Cyril Dion und Mélanie Laurent
Dokumentation, 118 min
FSK: 0, Altersempfehlung: 13+
Sprachfassungen: Englisch und Französisch mit deutschen Untertiteln

Eine besonders aktuelle Position zur Globalisierung nimmt der französische Dokumentarfilm TOMORROW ein. Die französische Schauspielerin Mélanie Laurent und der NGO-Aktivist Cyril Dion sind erschüttert von einer Studie über den Kollaps unseres Ökosystems innerhalb weniger Jahrzehnte. Also reisen sie durch insgesamt zehn Länder auf der Suche nach Initiativen, die Lösungen für die dringlichen ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Probleme anbieten. Im Gegensatz zu vielen kritischen Dokumentarfilmen wählt TOMORROW einen positiven Tonfall, der die Lösungsansätze in den Vordergrund stellt.

Sing Street

Irland/Großbritannien, USA 2016, R: John Carney
Komödie/Drama, 106 min
FSK: 6, Altersempfehlung: 13+
Sprachfassungen: Englisch/ Englisch mit deutschen Untertiteln

Vor dem Hintergrund der Rezession und religiöser Verbote wächst der Teenager Conor im Dublin der Achtziger auf. Mit seinem Bruder, der Musik für die Schule des Lebens hält, widmet er sich dem noch neuen Musikfernsehen. Um die unerreichbare Raphina zu beeindrucken lädt er sie zum Dreh eines Musikvideos ein. Nur hat er keine Band! Mit eigenwilligen, provokanten Stylings und inspiriert von DURAN DURAN, THE CURE und THE CLASH gelingt die ungewöhnliche Gründung einer Band – der Liebe wegen. Das Pop-Musical von John Carney (ONCE) erzählt mit Kraft und Rhythmus vom Aufbruch und den Träumen einer Generation.

Amy

Großbritannien 2015, R: Asif Kapadia
Dokumentation, 127 min
FSK: 0, Altersempfehlung: 13+
Sprachfassungen: Englisch/Englisch mit englischen oder deutschen Untertiteln

Der Film erzählt vom rasanten Leben der mit nur 27 Jahren verstorbenen Sängerin und Songschreiberin Amy Winehouse. Anhand von unveröffentlichten Aufnahmen, persönlichen Videos, Notizbüchern und Tonaufnahmen zeigt die Dokumentation die sechsfache Grammy-Gewinnerin als fröhlichen Teenager, erfolgreiche junge Jazzsängerin und als tragischen Weltstar. Dabei wird der schnelle Ruhm und Fall eines Mädchens aus einem Vorort Londons mit der Inszenierung in den Medien erschütternd in Beziehung gesetzt. Eine Hommage an die Sängerin und eine Kritik an der Sensationsgier der Medien und Öffentlichkeit.

Macbeth

USA/Großbritannien/Frankreich 2015, R: Justin Kurzel
Literaturverfilmung, 113 min
FSK: 12, Altersempfehlung: 16+
Sprachfassungen: Englisch/ Englisch mit englischen oder deutschen Untertiteln

Schottland im 11. Jahrhundert. Angetrieben von seiner karrieresüchtigen Frau mordet sich der erfolgreiche Feldherr Macbeth den Weg zum schottischen Thron frei und verfällt dabei zusehends dem Wahnsinn. Im 400. Todesjahr, erhält Shakespeare, der mit Abstand meist verfilmte Autor, mit MACBETH von Justin Kurzel eine weitere Filmadaption. Das düstere Delirium nutzt die originalgetreuen Dialoge, die in einigen Szenen gekürzt wurden. Die mittelalterlichen Inszenierungen großer Schlachten erinnern an GAME OF THRONES. Eine bildgewaltige Neuinterpretation des berühmtesten Tyrannenpaares der Weltliteratur.


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