TAGEBUCH EINER VERLORENEN

Georg Wilhelm Pabst, D 1929, 113 Minuten, restaurierte Fassung, 35 mm
Buch: Rudolf Leonhardt (nach dem gleichnamigen Roman von Margarete Böhme), Kamera: Sepp Allgeier, Schnitt: Elfriede Böttrich, Produzent: G.W. Pabst, Bauten: Ernö Metzner, Emil Hasler,
DarstellerInnen: Louise Brooks, Fritz Rasp, Josef Rovenský, Vera Pawlowa, Kurt Gerron u.a.
Kopie: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden
Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Zur Verlorenen wird die junge naive Thymian durch die Gewalt der Menschen um sie herum – den Gehilfen des Vaters, der sie verführt, der Familie, die sie wegen ihres unehelichen Kindes verstößt, den Aufsehern im Heim für gefallene Mädchen – bis sie im Bordell landet. Regisseur G.W. Pabst setzt nicht auf Effekte, sondern konzentriert sich voll auf Louise Brooks, das Girl mit dem Bubikopf und den großen Augen, deren "Mischung aus Amoralität und Unschuld einzigartig war".

Live-Musik: Das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München): Sabrina Zimmermann (Violine) und Mark Pogolski (Klavier)

Zur Verlorenen wird die noch kindliche Thymian durch die Menschen um sie herum: ein Mitarbeiter ihres Vaters verführt und vergewaltigt sie. Der Vater hat nicht genug Rückgrat, um ihr mit ihrem unehelichen Kind zu helfen und sich gegen die konservativen gesellschaftlichen Regeln zu stellen – die Familie verstößt Thymian. Sie landet in einem Heim für gefallene Mädchen und ist dem sadistischen Vorsteher-Ehepaar ausgesetzt. Ihre nächste Station, ein Edel-Bordell, wirkt gegen die grausame bürgerliche Welt wie ein Hafen und sie blüht zum ersten Mal auf.

Regisseur Pabst hat einen Volltreffer gelandet, als er die Amerikanerin Louise Brooks für zwei Filme nach Deutschland holt. Wir sehen zu, wie sie vom Kind zur Erwachsenen wird: Sie "geht in stummer Schönheit, erschrocken, trotzig, wartend, verwundert durch den Film, als das Mädchen, dem dies passiert. Fast wie ein schöner, tragischer Buster Keaton. Großäugig, infantil, in entzückenden Kleidern." (Berliner Tageblatt). Sie hat eine "geradezu grafisch anmutende Schönheit" (Lotte Eisner), deren "Mischung aus Amoralität und Unschuld einzigartig war" und deren "Interpretation von Weiblichkeit noch heute als frappierend modern erscheint" (Filmdienst).

Louise Brooks passt also nicht nur optisch zur Neuen Sachlichkeit, die im Film Mitte der 1920er Jahre den Expressionismus langsam ablöst. Pabst gilt als Hauptvertreter der Kunstrichtung, die die realistische Beobachtung des Lebens – meistens seiner Dramen – ins Zentrum stellt. Präzise zeigt er, wie sich Louise Brooks zwischen den Männern bewegt: dem öligen Apotheker Fritz Rasp (der uns später in Edgar-Wallace-Filmen Schauer über den Rücken jagte), dem brutalen Aufseher Andrews Engelmann, den Bordellbesuchern Arnold Korff und Kurt Gerron, die sie anzieht wie Motten das Licht. Ein starker Frauenfilm von 1929.

Do 13.08.

20:45

Fr 14.08.

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Sa 15.08.

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So 16.08.

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Mo 17.08.

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Di 18.08.

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Mi 19.08.

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2015