CALIFORNIA CITY

D 2014, 84 min., Omu, R: Bastian Günther, mit Jay lewis, Daniel C. Peart, Chelsea Williams u.a.

Nur an wenigen Orten der Welt hat die Finanz- und Immobilienkrise eine so surreale Landschaft hervorgebracht wie in den verlassenen Suburbs von California City. Über eine unüberschaubare Fläche erstreckt sich hier, nordöstlich von Los Angeles, inmitten der Mojave-Wüste, das Skelett einer Geisterstadt, die nie richtig zum Leben erwachte, obschon sie in den 1960er-Jahren als größte Stadt Kaliforniens geplant wurde. Halbfertige Rohbauten finden sich neben ausgeweideten Gebäuden und properen Fertighäusern, viele davon wurden erst gar nicht bezogen. In anderen Gebäuden finden sich Spuren ehemaliger Bewohner: Hemden im Schrank, Gewürze in der Küche, im Vorgarten von der Sonne ausgebleichtes Kinderspielzeug. Vergleichbare Szenerien kennt man eigentlich nur aus dem postapokalyptischen Kino ..

Nur an wenigen Orten der Welt hat die Finanz- und Immobilienkrise eine so surreale Landschaft hervorgebracht wie in den verlassenen Suburbs von California City. Über eine unüberschaubare Fläche erstreckt sich hier, nordöstlich von Los Angeles, inmitten der Mojave-Wüste, das Skelett einer Geisterstadt, die nie richtig zum Leben erwachte, obschon sie in den 1960er-Jahren als größte Stadt Kaliforniens geplant wurde. Halbfertige Rohbauten finden sich neben ausgeweideten Gebäuden und properen Fertighäusern, viele davon wurden erst gar nicht bezogen. In anderen Gebäuden finden sich Spuren ehemaliger Bewohner: Hemden im Schrank, Gewürze in der Küche, im Vorgarten von der Sonne ausgebleichtes Kinderspielzeug. Vergleichbare Szenerien kennt man eigentlich nur aus dem postapokalyptischen Kino.

In dieser "twilight zone" zwischen Wirklichkeitsraum, Mythenlandschaft und Science-Fiction-Kulisse siedelt Bastian Günther seine Erzählung an. Wie der Ort bewegt sich auch der Film in einem Dazwischen: Dokumentation, Fiktion und Essay greifen ineinander, verschiedene Bildqualitäten und Texturen mischen sich – HD, Super-8, Standbilder, hinzu kommt das Spiel mit Licht und Farbgebung, von rotstichig über bläulich bis hin zum Schwarzweiß. Die Übergänge sind dabei so organisch wie die Schwelle zwischen Natur und Beton. Unaufhaltsam holt sich die Wüste ihren Raum zurück, die Häuser, Garagen und Swimmingpools wirken wie eingebacken. Protagonist und Off-Erzähler ist ein Mann ohne Namen, Schädlingsbekämpfer von Beruf. Er hat den Auftrag, in den Pools der leerstehenden Häuser Moskito-Brutstellen zu beseitigen. Ähnlich wie die Figuren in Günthers Vorgängerfilmen "Autopiloten" und "Houston" ist dieser Namenlose ein vereinsamter Mann, der sich durch die zerstörenden bzw. zerstörten Gebieten des Kapitalismus bewegt und sich in dieser Umgebung zunehmend einkapselt. Während der Kontakt zur Außenwelt abreißt – die Zentrale ist nicht zu erreichen, er wird sinnlos an Orte geschickt, an denen sich keine Moskitos finden lassen –, verliert er sich zunehmend im Niemandsland. Leere und Monotonie sind dabei eine ideale Projektionsfläche für die eigene Apokalypse: wehmütig erinnert er sich an seine Ex-Freundin, die in körnigen Super-8-Bildern momenthaft den stillgestellten filmischen Raum belebt ..

Do 03.09.

20:00

Fr 04.09.

20:00

Sa 05.09.

20:00

So 06.09.

20:00

Mo 07.09.

20:00

Di 08.09.

20:00

Mi 09.09.

20:00

2015