Kino der Zukunft - der Filmemacher Walter Hill über alte Genres und neue Medien

Frage: Aber es macht doch einen riesigen Unterschied, ob man einen Film daheim oder im Kino erlebt.

Antwort: Klar, ich sage immer zu meinen Töchtern, dass sie um diese Erfahrung betrogen worden sind. Als ich früher ins Kino gegangen bin – das war ein bisschen wie den Göttern guten Tag sagen, so überlebensgroß und überwältigend. Geschichten von harten Jungs, die hübsche Mädchen geliebt und ihre Feinde bestraft haben – wie Götter eben. Und man war in dieser riesigen, dunklen, platonischen Kino-Höhle ganz nah dabei. Wenn ich jetzt meine Töchter frage, ob sie ins Kino gehen wollen, dann sagen sie, komm Dad, wir warten ein paar Wochen und holen uns die DVD. Die legt man dann ein, schaut ein bisschen, macht Pause, weil man Lust auf ein Käse-Sandwich hat. Man erlebt nicht mehr diese unglaubliche Power, mit der ein Kinobesuch dich durcheinanderwirbeln kann ..

Aus dem Interview der Süddeutschen Zeitung vom 5./6. Juli 2014 anlässlich des Münchner Filmfests. Walter Hill auf dem Münchner Filmfest (Foto: Johannes Simon/Getty Images for Filmfest Muenchen)