MITTELPUNKT EUROPA FILMFEST // 4.–7. März 2018
FILMGALERIE im Leeren Beutel // Regensburg

  • Info
  • Programm
  • So 04.03.
  • Mo 05.03.
  • Di 06.03.
  • Mi 07.03.
  •   

WO LIEGT DER MITTELPUNKT EUROPAS?

Für die zweite Ausgabe unseres Münchner – und jetzt auch Regensburger – Filmfests MITTEL PUNKT EUROPA stellt sich die Frage nach der Lebenswirklichkeit unserer Nachbarn in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei unvermindert aktuell. Europa sortiert sich immer wieder neu. Auch deshalb ist es uns wichtig, Klischees und das Unverständnis gegenüber unseren östlichen Nachbarn zu überwinden. Der Historiker Karl Schlögel spricht von einer „Selbstprovinzialisierung“ als Folge des Verlustes der Beziehungen nach Osten. Dem wollen wir entgegen wirken. Deshalb begeben wir uns erneut auf eine filmische Ent­deckungsreise ins Herz Europas.

An neun Abenden im Münchner Filmmuseum (1.–11. März) und an vier Abenden in der Regensburger Filmgalerie im Leeren Beutel (4.–7. März) bieten sich Einblicke in die Lebenswelten unserer östlichen Nachbarn: Wie ergeht es einem syrischen Flüchtling, der an der ungarisch-serbischen Grenze plötzlich abhebt („Jupiter’s Moon“), wie gestaltet eine fintenreiche Lehrerin in Bratislava ihre Arbeitstage („The Teacher“), oder wie sieht die Gedankenwelt eines ebenso bedrohlichen wie unfreiwillig komischen Neonazis in der mährischen Provinz aus („The White World According to Daliborek“)?

Wir erwarten spannende Gäste – Regisseure und Darsteller, die sich freuen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Neben Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei richtet sich der Fokus in diesem Jahr auch auf das Gastland Belarus. Wie stark sich dort die Kreativität dem repressiven Klima zum Trotz Bahn bricht, ist beim Gespräch mit dem Regisseur und Drehbuchautor Andrei Kureichik zu erfahren.

DIE REISE KANN LOSGEHEN.
KOMMEN SIE MIT?

IHR
MITTEL PUNKT EUROPA FILMFEST-TEAM

am So 04.03. um 18:30 Uhr

OSTATNIA RODZINA / THE LAST FAMILY

PL 2016 / 122 Min. / OmeU / Regie: Jan P. Matuszynski / Darsteller: Andrzej Seweryn, Dawid Ogrodnik, Aleksandra Konieczna, Andrzej ChyraSP 5 €

+VORFILM: ČÍM VÍC VÍM / THE MORE I KNOW
CZ 2015 / 8 MIN. / REGIE: MAREK NÁPRSTEK

Der Maler, Bildhauer, Grafiker und Fotograf Zdzisław Beksiński (1929 –2005) wurde international als Schöpfer verstörend apokalyptischer Gemälde ohne Titel bekannt. Der Film führt mitten hinein ins Warschauer Leben der "letzten Familie" ab Ende der 1970er Jahre bis zu Beksińskis Ermordung. Der Künstler stand unter dem ständigen Drang, alles mit seinem Camcorder festzuhalten. Übertroffen wird er in seiner Exzentrik nur vom manisch-depressiven Sohn Tomasz, der trotzdem Karriere als Radio-DJ und Synchronsprecher macht. Doch die beiden wären nichts ohne Mutter Zofia, die ihre Familie entschlossen und unbeirrt zusammenhält.

Siegerfilm des Denver International Film Festivals, des FilmFestivals in Cottbus sowie beim Internationalen Filmfestivals von Locarno 2016

JAN P. MATUSZYŃSKI (geb. 1984 in Katowice) absolvierte das Fach Regie an der Universität Silesia in Katowice und den Dokumentarfilmkurs an der Wajda School. Sein bisher bekanntestes Werk ist der Dokumentarfilm "Deep Love", der u.a. als beste Dokumentation bei den Internationalen Filmfestivals in Moskau und Krakau ausgezeichnet wurde.

ANSCHLIESSEND EMPFANG IM FOYER

SO 4. – SO 11. MÄRZ
FILMGALERIE IM LEEREN BEUTEL
AUSSTELLUNG:
TSCHECHOSLOWAKISCHE FILMPLAKATE 1918–2018

Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt der besten tschechoslowakischen Filmplakate.


am Mo 05.03. um 18:30 Uhr

SVĚT PODLE DALIBORKA / THE WHITE WORLD ACCORDING TO DALIBOREK

CZ 2017 / 105 Min. / OmeU / Regie: Vít KlusákSP 5 €

+VORFILM: POLONEZ / POLONAISE
PL 2017 / 16 MIN. / REGIE: AGNIESZKA ELBANOWSKA

Dalibor K. ist Lackierer in einer mährischen Kleinstadt und: Neo-Nazi. In den sozialen Medien inszeniert er sich als Muskelprotz mit unerschütterlich rechter Weltsicht. Er hasst Zigeuner, Juden, Flüchtlinge, Homosexuelle, Merkel, Spinnen und Zahnärzte. Und er hasst sein Leben. Mit fast vierzig lässt er sich noch von seiner Mutter umsorgen. Eine Beziehung zu einer Frau lässt auf sich warten. Der neue Freund seiner Mutter, Vladimír, stachelt ihn dazu an, endlich zur Tat zu schreiten und „aus den Zigeunern Asphalt zu machen“. Der Dokumentarfilmer Vít Klusák hat Dalibor K. zwei Jahre begleitet und ein tragikomisches Porträt eines Mannes geschaffen, dessen Gesinnung im heutigen Tschechien mehr als eine Randerscheinung ist.

VÍT KLUSÁK (geb. 1980 in Prag) gilt als einer der renommiertesten und provokantesten Dokumentarfilmer seines Landes. In Filmen wie „Český sen / Der Tschechische Traum“ (2004) greift er aktuelle Themen auf und überschreitet dabei gekonnt die Grenzen von Dokumentation und Inszenierung. Für den Film „Vše pro dobro světa a Nošovic/ Alles zum Wohl der Welt und von Nošovice“ erhielt er 2011 die Auszeichnung Tschechischer Löwe (Český lev) in der Kategorie Dokumentarfilm.

MO 5. MÄRZ 20:00 UHR
FILMGALERIE IM LEEREN BEUTEL
PODIUMSDISKUSSION:
AUSGEZEICHNETE FILME
AUS DER MITTE EUROPAS –
IN DEUTSCHLAND
EIN UNBEKANNTES TERRAIN.

Vertreter von Film(hoch)schulen aus Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei sprechen über die Filmszenen ihrer Länder, die Bedingungen der dortigen Filmproduktion und die Rolle der Film(hoch)schulen.


am Mo 05.03. um 21 Uhr

JESTEM MORDERCĄ / I’M A KILLER

PL 2016 / 117 Min. / OmeU / Regie: Maciej Pieprzyca / Darsteller: Mirosław Haniszewski, Arkadiusz Jakubik, Piotr Adamczyk, Michał Zurawski, Magdalena Popławska, Agata Kulesza, Krzysztof GlobiszSP 5 €

+VORFILM: GORGON
HU 2016 / 8 MIN. / REGIE: MIKLÓS FELVIDÉKI

Ein Leichenfund in Katowice im September 1972. "Kommunismus ist rot wie Blut" hinterlässt der Serienmörder als Nachricht an seinem elften Opfer, der Nichte des örtlichen Ersten Parteisekretärs. Und er kündigt weitere Morde an. Höchste Zeit für den Staatsanwalt, den ehrgeizigen Leutnant Janusz Jasiński mit der Leitung der bislang erfolglosen Sonderkommission "Vampir" zu betrauen. Bald darauf scheint sich mit der Verhaftung des Verdächtigen Kalicki ein erster Erfolg einzustellen. Doch ist dieser wirklich der eiskalte Frauenmörder? Was als Krimi beginnt, entwickelt sich zur beklemmenden Charakterstudie. Unerbittlich läuft das packende Psychoduell auf die von Partei und Staat gewollte Vollstreckung des Todesurteils hinaus. Bis heute bestehen Zweifel, ob der reale Fall "Vampir" tatsächlich gelöst oder ob ein Unschuldiger hingerichtet wurde.

Ausgezeichnet für die beste Regie auf dem FilmFestival in Cottbus sowie beim Shanghai International Film Festival 2017

Zu Gast: Regisseur Maciej Pieprzyca

MACIEJ PIEPRZYCA (geb. 1964 in Katowice) studierte Journalismus und Regie an der Universität Silesia in Katowice sowie Drehbuch an der State Academy for TV, Film and Theatre in Łódź. Bereits sein letzter Film "Chce się żyć / In meinem Kopf ein Universum" (2013) war ein internationaler Erfolg, an den "I’m a Killer" anknüpft.


am Di 06.03. um 18:30 Uhr

1945

HU 2016 / 91 Min. / OmeU / Regie: Ferenc Török / Darsteller: Péter Rudolf, Bence Tasnádi, Tamás Szabó KimmelSP 5 €

+VORFILM: B-MOLL
SK 2014 / 5 MIN. / REGIE: ZUZANA MARIANKOVÁ

Ein Sommertag im August 1945. Träge döst das Dorf vor sich hin. Zwei fremde Männer steigen aus dem Zug, ganz in Schwarz gekleidet, Vater und Sohn, Überlebende des Holocaust. Schweigend begleiten sie einen Wagen, auf dem sie zwei Kisten transportieren. Ihre Ankunft bleibt nicht unbemerkt. Gerüchte machen im Dorf die Runde, Angst macht sich breit. Denn viele waren verstrickt in die Verbrechen der letzten Jahre, durch Verrat, Schweigen und eiskalten Diebstahl. Was verdrängt und fast vergessen schien, kommt mit Macht an die Oberfläche. In scharf konturiertem Schwarz- Weiß skizziert Ferenc Török das Geflecht von Schuld und Sühne: das Panorama eines ungarischen Dorfes als Spiegel gesellschaftlichen Versagens.

Siegerfilm des Jerusalem International Film Festivals 2017

Zu Gast: Regisseur Ferenc Török

FERENC TÖRÖK (geb. 1971 in Budapest) studierte Regie an der Akademie für Drama und Film in Budapest. Sein aktueller Film lief erfolgreich auf zahlreichen internationalen Filmfestivals und wurde u. a. mit dem Publikumspreis des Miami Jewish Film Festival ausgezeichnet. Ferenc Török wurde mit dem ungarischen Béla-Balázs-Preis und dem Pro Cultura Urbis für besondere Verdienste in der Filmkunst geehrt.


am Di 06.03. um 21 Uhr

UČITEĽKA / THE TEACHER

SK / CZ 2016 / 102 Min. / OmeU / Regie: Jan Hřebejk / Darsteller: Zuzana Mauréry, Peter Bebjak, Csongor Kassai, Martin Havelka, Zuzana Konečná, Ondřej MalýSP 5 €

+VORFILM: NEHODA / COLLISION
CZ 2016 / 13 MIN. / REGIE: ŠIMON ŠTEFANIDES

Bratislava in den 1980er Jahren: Ein neues Schuljahr und eine neue Klasse bieten für die Lehrerin und lokale Parteivorsitzende Mária die Gelegenheit, sich durch das Prinzip "eine Hand wäscht die andere" das Leben noch ein Stückchen leichter zu machen. Was ist schon daran verwerflich, wenn eine Mutter ihr die Haare umsonst frisiert oder ein Taxi fahrender Vater sie gelegentlich chauffiert? Schließlich bekommen die Kinder dafür gute Noten. Irgendwann aber reicht es einigen Eltern und sie versuchen, die Klassenzimmer- Despotin zu stürzen. Mit dieser beißenden Alltagskomödie über alltägliche Korruptionen, Machtmissbrauch im Kleinen und die moralischen Grenzen der Hilfsbereitschaft zeigt sich Regisseur Jan Hřebejk in Bestform.

Ausgezeichnet für die beste weibliche Schauspielleistung (Zuzana Mauréry) auf den Internationalen Filmfestspielen in Karlovy Vary 2016

JAN HŘEBEJK (geb. 1967 in Prag) gehört seit den 1990er Jahren zu den renommiertesten Regisseuren Tschechiens. Hřebejks Werke wie "Pelíšky / Kuschelnester" oder "Musíme si pomáhat/Wir müssen zusammenhalten" fanden im In- und Ausland große Anerkennung und sind mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt worden, darunter auch Oscar-Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film.


am Mi 07.03. um 18:30 Uhr

ČIARA / THE LINE

ČIARA / THE LINE
SK/UA/CZ 2017 / 108 Min. / OmeU / Regie: Peter Bebjak / Darsteller: Emília Vášáryová, Tomáš Maštalír, Zuzana Fialová, Stanislav BoklanSP 5 €

+VORFILM: REND A LELKE / ORDER IS THE SOUL
HU 2017 / 8 MIN. / REGIE: MIKLÓS BORSOS, ISTVÁN NYÍRI KOVÁCS

Herbst 2007: Zigaretten, Alkohol und Flüchtlinge passieren nahezu ungehindert die slowakisch-ukrainische Grenze. Dahinter steht ein ausgeklügeltes Mafia-System, das nicht zuletzt dank der korrupten Grenzpolizei reibungslos funktioniert. Doch dann plant die Slowakei dem Schengen-Raum beizutreten. Dies bedroht die kriminellen Strukturen und damit auch die Existenz des Familienvaters Adam Krajňák, Kopf einer slowakischen Schmugglerbande. Der Druck auf ihn wächst, auf den gefährlicheren, aber ertragreicheren Drogenhandel umzusteigen. Regisseur Peter Bebjak gelingt mit "The Line" ein unkonventioneller, hochaktueller Kriminalthriller.

Ausgezeichnet für die beste Regie beim Chicago International Film Festival sowie auf dem Karlovy Vary International Film Festival 2017

Zu Gast: Regisseur Peter Bebjak

PETER BEBJAK (geb. 1970 in Partizánske) ist slowakischer Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er absolvierte die Hochschule für Musische Künste Bratislava, wo er heute auch unterrichtet. Außer Spielfilmen wie "Čistič / The Cleaner" dreht er vor allem Krimiserien für das tschechische Fernsehen.


am Mi 07.03. um 21 Uhr

ГАРАШ / GARASH

BY 2015 / 61 Min. / OmeU / Regie: Andrei Kureichik / Darsteller: Alexandr Kullinkovich, Yuri Naumov, Artem Kurem, Elizaveta Shukova, Evelina SakuroSP 5 €

+VORFILM: MAMIE, VANYA ET LA CHÈVRE / GRANNY, VANYA AND THE GOAT
FR/BY 2014 / 15 MIN. / REGIE: DARIA YURKEVICH

Eine West-Ost-Geschichte ganz eigener Art: Fünf Jahre schlug sich der junge belarussische Automechaniker Witalij ohne Pass mit Work & Travel in den USA durch. Als dies auffliegt, muss er nach Minsk zurückkehren. Dort strandet er in einer heruntergekommenen Werkstatt, denn nur in der "GaraSH"–das SH bezieht sich auf den Minsker Stadtteil Shabany – kann er ohne Papiere arbeiten. Während er noch seinem amerikanischen Traum nachtrauert, zwingt ihn die Minsker Realität, sein Heimatland neu zu entdecken.

Zu Gast: Regisseur Andrei Kureichik

ANDREI KUREICHIK (geb. 1980 in Minsk) ist ein unabhängiger Filmemacher, Dramatiker, Drehbuchautor, Regisseur und Publizist aus Belarus. Er ist Autor von zahlreichen Theaterstücken und Drehbüchern für Film und Fernsehen. Seine Filmfirma hat er "Bez Buslou Arts" genannt, "Künste ohne Storch", da es sich bei diesem um das Wappentier der staatlichen Produktionsfirma handelt.