BAAL

D, 1970, 88 min., R: Volker Schlöndorff, mit: Rainer Werner Fassbinder, Sigi Grue, Margarethe von Trotta, Günther Neutze, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Walter Sedlmayr u.a.

Es muss am 21. April 1970 gewesen sein, da saßen Helene Weigel, die Witwe Bertolt Brechts, und der Lyriker Thomas Brasch, Sohn des stellvertretenden DDR-Kulturministers, im Brecht-Haus in der Berliner Chausseestraße und schauten West-Fernsehen. Das Erste sendete Volker Schlöndorffs Verfilmung des Brecht-Jugendwerks "Baal" mit Rainer Werner Fassbinder in der Titelrolle. Die Weigel fand ihn "schauderhaft" – und beließ es nicht dabei. Als Erbin gehörten die Rechte ihr, und sie verfügte noch am selben Abend, Schlöndorffs Film müsse im Archiv verschwinden, um niemals wieder aufzutauchen. Seit 44 Jahren ist "Baal" ein Film maudit, legendär, aber ungesehen. Volker Schlöndorff holt Bertolt Brechts spätexpressionistisches Werk in die Gegenwart von 1969.

Es muss am 21. April 1970 gewesen sein, da saßen Helene Weigel, die Witwe Bertolt Brechts, und der Lyriker Thomas Brasch, Sohn des stellvertretenden DDR-Kulturministers, im Brecht-Haus in der Berliner Chausseestraße und schauten West-Fernsehen. Das Erste sendete Volker Schlöndorffs Verfilmung des Brecht-Jugendwerks "Baal" mit Rainer Werner Fassbinder in der Titelrolle. Die Weigel fand ihn "schauderhaft" – und beließ es nicht dabei. Als Erbin gehörten die Rechte ihr, und sie verfügte noch am selben Abend, Schlöndorffs Film müsse im Archiv verschwinden, um niemals wieder aufzutauchen. Seit 44 Jahren ist "Baal" ein Film maudit, legendär, aber ungesehen.

Volker Schlöndorff holt Bertolt Brechts spätexpressionistisches Werk in die Gegenwart von 1969. Der Lyriker und Anarchist Baal haust in einer Dachkammer und liest Kutschern seine Gedichte vor. Die bürgerliche Gesellschaft reißt sich um ihn und spuckt ihn wieder aus. Baal streunt umher, durch Wälder und auf Autobahnen, gierig nach Schnaps und Zigaretten, Frauen und Männern: "Man muss das Tier herauslassen, ans Sonnenlicht mit dem Tier." Er schwängert eine junge Schauspielerin und empfindet sie bald als Mühlstein an seinem Hals. Er ersticht einen Freund und stirbt allein. "Unnütz bist du, räudig, toll, du Tier, kriechst in des Baumes unterstes Geäst." Der Film macht jugendliches Ungestüm und Hass auf erdrückende Umstände zum Thema, reflektiert Geniekult und Sexualmoral. Rainer Werner Fassbinder spielt Baal und zugleich sich selbst. Um ihn herum zahlreiche Akteure, die in seinen späteren Filmen immer wieder zu sehen sein werden.

Do 03.04.

20:45

Fr 04.04.

20:45

Sa 05.04.

20:45

So 06.04.

19:00

Mo 07.04.

19:00

Di 08.04.

19:00

Mi 09.04.

19:00

2014